Wenn Erfahrung plötzlich nicht mehr zählt – Freistellung Ü50 (mit Claudia Vogel-Daniel)

Shownotes

### Über diese Folge

Was passiert, wenn mit der Position auch ein Teil der eigenen Identität wegbricht? Claudia Vogel-Daniel, langjährige Führungskraft in der Logistik, spricht über Freistellung Ü50 – menschlich, unternehmerisch und kulturell.

**### Themen der Folge

  • Claudia Vogel-Daniels Weg als Führungskraft in einer Hochdruck-Branche
  • Warum Freistellung Ü50 kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Thema ist
  • Wenn der Arbeitsplatzverlust die persönliche Identität trifft
  • Was der Umgang mit Trennungen über die Unternehmenskultur verrät
  • Erfahrung und junge Dynamik verbinden statt gegeneinander ausspielen
  • Claudias Gedanke für Menschen im beruflichen Umbruch

**Über den Gast

Claudia Vogel-Daniel war viele Jahre als Führungskraft in der Logistik tätig – einer Branche, die von Tempo, Verantwortung und Veränderung geprägt ist. Heute bringt sie ihre Erfahrung ein, wenn es darum geht, wie Unternehmen und Betroffene professioneller und menschlicher mit Freistellung und beruflichen Umbrüchen umgehen können.

Mehr von Impulstage Wirtschaft Ein Format der LeadershipAkademie.online von Nathalie Wallner. www.leadershipakademie.online

Transkript anzeigen

00:00:03: Guten Morgen, Claudia.

00:00:04: Guten

00:00:05: Morgen!

00:00:06: Schön, dass du da bist.

00:00:07: Wir sprechen heute gemeinsam über das Thema Fünfzig Plus-Führung vor allen Dingen im Bereich Industrie und Logistik.

00:00:18: Da kommst Du ja her.

00:00:19: Du warst lange Jahre Führungskraft in der Logistika.

00:00:24: Das ist eine Branche die mit am meisten vom Tempo Verantwortung und Veränderung geprägt ist.

00:00:30: aktuell Stell dich doch bitte vor und nimmst du die Frage mit, was hat dich denn in deiner Zeit als Führungskraft in der Logistik am meisten bewegt?

00:00:43: Gut.

00:00:44: Gerne!

00:00:45: Also mein Name Claudia Vogel.

00:00:46: Daniel.

00:00:49: Wie du richtig gesagt hast, ich habe einen absolut durch und durch logistischen Hintergrund.

00:00:55: Ich bringe fünfundzwanzig Jahre Führungsverantwortung in Supply Chain und Logistik mit.

00:01:00: Habe lange Jahre Transformationsaufgaben meist in internationalen Strukturen übernommen und bin durchaus überzeugt davon dass Logistika das Rückgrat eines Unternehmens sein kann als Querschnittsfunktion Und vor diesem Hintergrund auch eine ganz besondere Anspruch an Führung möchte.

00:01:23: Kurz für die, die es vielleicht nicht so kennen.

00:01:26: Logistik berührt dem Unternehmen einfach jede Funktion Einkauf, Produktion, Vertrieb und Kunden.

00:01:33: Deswegen muss sie unbedingt präzise sein.

00:01:36: Sie verzeiht keine Unklarheit, Sie verzeit keine ungeklärten Verantwortlichkeiten Keine Schnittstellen, die nicht geklärt sind Und deswegen darfst du auch als Führungskraft in dieser Funktion nicht im Silo denken, sondern du musst gestalten.

00:01:51: Du musst Schnittstellen zusammenbringen, du musst Prozesse formen, du muss Innovationen treiben und das verlangt Tempo und das verlangt aber auch Haltung und es verlangts dass man in den Menschen investiert und zwar in jeden egal ob der Lager Mitarbeiter oder auch den Logistik Spezialisten im Büro.

00:02:14: Das ist eine fachliche Exzellenz, die man als Führung mitbringen muss.

00:02:19: Die schon sehr fordern sein kann und mich begeistert das immer wieder zu tun Menschen zu fördern und zu führen.

00:02:27: Und für mich ist es größte weil du gefragt hast was hat dich am meisten bewegt?

00:02:32: Es gibt kein einzelnes Ereignis dass mich bewegt hat aber das Feedback eines Mitarbeiters wenn er sagt Du hast mich gesehen, ich konnte wachsen bei dir und es war toll mit dir zusammenzuarbeiten.

00:02:45: Das ist für mich der höchste Maßstab.

00:02:48: Danke!

00:02:50: Wenn ich das jetzt einmal noch so revipassieren lasse was du gesagt hast dann haben wir ja hier Führungskräfte die mit ihrer ganzen Erfahrung die sie sich so gesammelt haben im Laufe ihrer Zeit sicherlich im Bereich fünfundfünfzig, fünfzig liegen.

00:03:12: Und wir sehen

00:03:14: aber

00:03:15: immer mehr dass genau diese Führungskräfte freigestellt werden aus den Unternehmen und das ist ja nicht nur vereinzelt sondern es ist ja ein Thema das Unternehmen und Gesellschaft insgesamt betrifft.

00:03:35: Absolut, ich denke es ist ein gesellschaftliches Thema.

00:03:39: Es handelt sich ja eben nicht um einzelne Personen sondern in der regel verschwinden ganze Führungsebene.

00:03:46: die zentralistischen Unternehmensfunktionen werden teilweise vollständig entfernt aus den Unternehmen.

00:03:53: und es ist auch interessant zu wissen dass die Erzahl der arbeitslos gemeldeten Führungskräfte in Deutschland in den letzten drei Jahren um vierzig Prozent gestiegen Und das trifft hauptsächlich eben die von dir eben angesprochene Ü-fünfzig Generation.

00:04:11: Gleichzeitig werden auch immer weniger Führungspositionen ausgeschrieben und das Wissen, dass diese Führungskräfte aber sich erarbeitet haben, das verschwindet mit den Leuten wenn sie das Unternehmen verlassen.

00:04:26: Die Kultur nehmen Sie ja auch mit denn vieles wissen ist in den Köpfen nirgendwo dokumentiert und Kultur kannst du sowieso nicht dokumentieren, Kultur kannst nur leben.

00:04:36: Und als Vorbild unterwegs sein oder das Role Model.

00:04:39: Und ich denke Unternehmen sind sehr kurzsichtig an der Stelle denn das was geht ist meist teurer als irgendeine Abfindung die sie zahlen müssen.

00:04:52: Das ist jetzt die Zahlenebene die Du gerade angesprochen hast.

00:04:56: gucken wir mal auf die Führungskräfte aus emotionalen Perspektive, denn die Menschen, die wir mit vierzig plus fünfzig plus einmal ich nenn's jetzt mal bös aussortieren.

00:05:13: Die verlieren ja nicht nur ihre Position und ihren Arbeitsplatz sondern meistens hier auch ein Teil ihrer Identität.

00:05:26: Hast du eine Idee, warum das gerade erfahrene Führungskräfte wirklich so tief trifft?

00:05:35: Wenn ich mich als Beispiel nehmen kann an der Stelle und ich denke, ich stehe da stellvertretend für viele.

00:05:42: Ich glaube es ist diese Generation hat nicht einfach gearbeitet.

00:05:46: Führungskraft zu sein ist für uns für sie nicht nur eine Rolle sondern wir haben uns damit identifiziert.

00:05:54: Das ist ein Selbstbild Es ist ein Lebensinhalt gewesen und eine Haltung.

00:06:01: Man ist über Jahrzehnte mit dieser Rolle auch verschmolzen, man war diese Rolle vielleicht sogar mehr als alles andere in seinem ganzen Leben weil man sehr viel Zeit auch dahin investiert hat.

00:06:16: Und dann kommt jetzt dieser Einschnitt Plötzlich ist man draußen, plötzlich ist man ausgebremst und dann wird es still um einen herum.

00:06:26: Diese Stille macht etwas mit einem.

00:06:30: Und da ist wirklich dann auch die Frage, kann sie neue Kräfte in einem wecken oder lässt sich einen zerbrechen?

00:06:40: Spannendes Thema!

00:06:40: Da können wir gerne noch mal ein andermal tiefer einsteigen.

00:06:46: und jetzt gucken wir einmal nochmal auf die Unternehmen und machen vielleicht so ein kleines Fenster.

00:06:57: Was sagt denn die Art und Weise, wie sich Unternehmen aktuell gerade von Menschen trennen?

00:07:04: Deiner Meinung nach über die Kultur und die Haltung dieses Unternehmens aus.

00:07:13: Eigentlich alles oder zumindest sehr viel.

00:07:16: Ich denke eine Trennung ist wirklich der Moment der Wahrheit wo das Unternehmen sein wahres Gesicht zeigt Wie man sich von jemandem verabschiedet in der Regel doch sehr, sehr viele Jahre in diesem Unternehmen auch gearbeitet hat.

00:07:33: Sagt wirklich mehr aus über das Unternehmen als jede Hochglanzbroschüre über Unternehmenskultur.

00:07:41: In erster Linie glaube ich ist in diesem Moment sehr viel Respekt und Wertschätzung gefragt.

00:07:48: Das kostet eigentlich nicht viel und bedeutet doch soviel für den Menschen, der auch geht.

00:07:55: Und das sind für mich sind das konstitutionelle Werte die gezeigt werden sollten.

00:08:02: Teilweise oder sehr häufig fehlen sie in dem Moment der Trennung und wenn Sie fehlen, dann was bleibt zurück gerade auch bei den Leuten die noch im Unternehmen sind?

00:08:12: Es entsteht Unsicherheit es entsteht Angst und das sind die schlechtesten Voraussetzungen.

00:08:18: wenn ein Unternehmen sich auf einen Weg macht sich zu verändern

00:08:24: Ja da sehe ich auch so definitiv, also auf Angst gebaut ist wie auf Sand gebaut.

00:08:33: Genau ganz genau

00:08:34: was wäre denn wenn wir Unternehmen den Weg gehen würden die Erfahrung auf der einen Seite und diese junge Dynamik dieses dieses neue Know-how was da wächst Wenn sie das nicht gegeneinander ausspielen würden sondern miteinander verbinden würden?

00:08:57: Das ist für mich eigentlich die Frage.

00:09:01: Oder für mich gibt es da überhaupt keinen Zweifel, das zu tun.

00:09:04: Das ist für mich eine Grundlage für das Fortbestehen eines Unternehmens.

00:09:10: Das zusammenzubringen erfahrene Führungskräfte tragen ja vieles in sich, was auch nicht auf dem Papier dokumentiert ist.

00:09:20: Sie haben ein enormes Urteilsvermögen über die Jahre.

00:09:23: Sie habe teilweise auch ein sehr gutes Netzwerk gewachsene Beziehungen.

00:09:29: Sie laufen eben nicht nur auf das sachlichen Ebene sondern auch der emotionalen Ebene.

00:09:34: sie können Krisen managen.

00:09:37: Das haben sie alles, das ist etwas was du nicht aus Büchern erfahren kannst sondern was du lernst.

00:09:42: Aus deiner Lebenserfahrung heraus, aus deiner Karriere heraus.

00:09:46: und gleichzeitig haben wir die Führungskräfte mit neuen Ansätzen kommen Die frisch sind, die unverbraucht sind, einfach ein ganz neues Mindset reinbringen.

00:09:55: Und dass zusammengenommen Ist eigentlich eine Stärke Wenn Unternehmen das zusammen bringen Tandemteams bilden oder wie gesagt, diese Erfahrungen zusammenbringen lassen.

00:10:08: Dann wird dieser Erfahrung gerade auch der älteren Generation kein Kostenfaktor mehr sein sondern dann ist es strategisches Kapital.

00:10:19: Erst mal vielen, vielen Dank für den Einblick in dieses wichtige Thema aus deiner Perspektive zum Abschluss unseres gemeinsamen Gesprächs.

00:10:29: noch wenn es einen Gedanken geben für den du den Menschen mitgeben möchtest, die gerade vor so einem beruflichen Umbruch stehen.

00:10:41: Welcher Gedanke ist das?

00:10:48: Dass eine Freistellung nichts über den Wert eines Menschen aussagt – gar nichts!

00:10:55: Es ist eine Unternehmensentscheidung meistwirtschaftlich.

00:11:00: Selten hat sie was mit der Person zu tun und nicht mit der Führungskraft, die freigestellt wird.

00:11:07: Das ist gefährlich.

00:11:09: D.h.,

00:11:10: man darf das nicht persönlich nehmen, man darf sich nicht entwertet fühlen und schon gar nicht in seiner Expertise angegriffen fühlen.

00:11:19: Ich weiß es ist sehr leicht gesagt und schwer getan aber die Qualität des Menschen, seine Erfahrung, seine Haltung bleibt.

00:11:30: Und dessen muss man sich bewusst sein.

00:11:33: Wenn man sich dann verändern will.

00:11:34: oder sagen wir ich habe vorhin von der Stille gesprochen stehen bleiben, überlegen.

00:11:39: Wie geht es weiter?

00:11:41: Veränderung geschieht von Ihnen und deswegen ist es ganz wichtig sich in dem Moment nicht schlecht zu fühlen, nicht minderwertig zu fühle sondern einfach zu sagen das bin ich und damit kann ich weitermachen.

00:11:57: Perfekt!

00:11:57: Vielen vielen Dank.

00:11:59: Danke für deine Zeit Claudia danke fürs Gespräch.

00:12:02: Sehr sehr gerne.

00:12:03: Vielleicht sehen wir uns bei einem anderen Talk dann gerne wieder.

00:12:07: Super, danke schön.

Kommentare (1)

Asja Mize

Danke Claudia & Nathalie für den Blick hinter die Kulissen! Es ist schon verblüffend, dass sich unsere Wirtschaft diese Ü50-„Expertenausgrenzung“ leistet! KI wird nicht alles retten! Wir brauchen beides!

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